Visual Facilitation: Hirngerechte Darstellung komplexer Inhalte

Visual_Facilitation_Kuntze_Team2015

 

„Bevor du anfängst zu denken, fang lieber an zu zeichnen!“

So stand es auf einem der Willkommensplakate am 15. Mai 2015 zum Workshop mit Miike Keppler bei QuBE in Hannover. Im Kreis der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bildete die Mitte ein prächtiger Strauß roter Tulpen und eine Unmenge an farbig leuchtenden Stiften und Kreiden. Dazu weckten viel Gestaltungsmaterial und Praxisbücher noch mehr sinnlichen Appetit auf den Start zum Workshop. Der erste Einstieg in Visual Facilitation  bietet sich nicht mit Büchern alleine am eigenen Schreibtisch, sondern Life durch „Vormachen und Nachmachen“ mit einem Päsentations-Coach und einem dynamischen Gruppenprozess an. Miike Keppler begann die Vorstellungsrunde schlicht mit seinem Namen, sagte dazu einfach: „und ich kann nicht zeichnen“. Das kann ungemein neugierig machen und wirkt zugleich so erleichternd, denn hier waren im Wesentlichen Menschen zusammen gekommen, die darauf hofften, dass Visual Facilitation, Sketchnoting, Visualisierungen auch anders möglich sind als mit großer und trainierter künstlerischer Begabung.

Aus unserem Team von KUNTZE consulting + coaching haben zwei am Workshop teil genommen und aus völlig unterschiedlichen Perspektiven erlebt: Während Gabriele Kottlorz aus der Profession Coaching, Mediation und Vortrag schaute, wollte Dieta Heilmann als Online-Redakteurin einfachste Symbolik probieren, um auch im Internet gute Impulse einfach und BEGREIFBAR darstellen zu können. Dazu muss sie nun ihre ganz persönliche Höhlenmalerei üben, üben, üben: OFFLINE.

Beide Teilnehmerinnen erlebten vergnügt, wie viel Freude es macht, wieder zu zeichnen. Die eine auf großen Plakaten mit Astronauten, Segelschoner, Pferd und Co. Die andere lieber auf Din A 4 wie einst als Kind mit Wachsmalkreide und einfachsten Strichmännchen, Hund, Katze, Maus, frei von Bewertung und Zensur aus dem Kunst-Leistungskurs, der einem Menschen über Jahrzehnte gewohnt im Kopf sitzen mag.

Visual Facilitation I: Open Space von Gabriele Kottlorz

Visual Facilitation I: Open Space von Gabriele Kottlorz

Was Miike Keppler damit meinte, dass er nicht zeichnen könne, konnte die ganze Gruppe staunend erleben und zügig alles abmalen und damit trainieren. Miike Kepplers Stifte huschen versiert über die Flipchart und formten ganz einfach Symbole, Pfeile und Rahmen, Textbausteine und Farbgebung, Männeken und Fraueken. Bereits nach einigen Stunden bekam die Gruppe die erste Aufgabe, „Open Space“ als eine Methode der Großgruppenmoderation auf Papier zu bringen. Über 20 verschiedene farbige Varianten überzeugten alle Teilnehmer, dass mit einfachsten Visualisierungstechniken Informationen einen festen Platz und gleichzeitig eine Gestalt bekommen. Das schafft Ordnung im Kopf und eine Bilderwelt zum Begreifen, leichtes Lernen und Verstehen, Fantasie und neue Ideen.

Die umfassende Literatur zum Thema verrät jede Menge Hintergrundwissen, hier in Kürze motivierende Impulse:

  • Wer wieder zu Papier und Stift greift, ergänzt dem „denkenden Kopf“ die aktive Handlung, um vom bloßen Denken, Zusehen, Zuhören mit etwas „Körperarbeit“ (Zeichnen ist tatsächlich körperliche Arbeit!) ganzheitlich zu sinnieren. Sinnliche Wahrnehmung erleichtert die Aufnahme von Informationen und kann Denkblockaden vermeiden.
  • Die Lernforschung weiß um das leichtere Begreifen durch TUN. Das menschliche Gehirn kann sich eine bloße Abfolge von Worten und Zahlen nicht merken und ist viel besser auf Sinneswahrnehmungen spezialisiert. Mit Visualisierungen auf Papier können Inhalte verschiedenster Art wie Methoden, Zahlen, Daten, Fakten, doch auch Lernnotizen, Ideen, ganze Veränderungsprozesse plastisch zu großen Wissenslandkarten werden.
  • Manuelles Visualisieren entschleunigt Präsentationen, beschleunigt dabei zugleich die Informationsaufnahme. Wieviele Folien einer Power-Point-Präsentation können Sie sich merken? Immer nur eine, oder?!
Visual Facilitation: "LOS UND LASSEN" - eine Navigation von Gabriele Kottlorz

Visual Facilitation: „LOS UND LASSEN“ – eine Navigation von Gabriele Kottlorz

Wir konnten uns davon überzeugen, dass Visual Facilitation auch jedes Mind-Mapping und jede bisher gewohnte Flipchart-Moderation sehr bereichert. Gabriele Kottlorz schilderte abschließend ihre Eindrücke: „Wenn ich mein letztes Bild betrachte, erkenne ich, dass die Methode hilfreich ist auch für Menschen in Situationen, die diese ändern wollen. Und wo es hingehen könnte. Eine Fragestellung, ein Problem, bekommen als Bild eine ganz andere Klarheit, als wenn man sie immer nur im Kopf hin- und herrödelt oder Ziele in Worte steckt.“

Die Fortsetzung Visual Facilitation II mit Miike Keppler bei QuBE startet im Juli und wir sind begeistert angemeldet. Bis dahin: offline üben, üben, üben.

Update 11.7.2015

Storytelling-DHDer Workshop Visual Facilitation II am 10. und 11. Juli 2015 bot reiche Fülle für Präsentationen, Prozessbegleitung und erste Erfahrungen mit Graphic Recording: angefüllt mit einfachsten Symbolen wird ‚Storytelling“ zeichnerisch möglich, ohne zu denken. Miike Keppler vermittelte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern praktische wie einfache Modelle, Tipps und Tricks, darunter auch den Graphic Gameplan von David Sibbet, einem der Gründerväter der Graphic Facilitation. Das Geschichten erzählen via Höhlenmalerei kehrt zurück in den Alltag.



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